„Sarkome werden oft verkannt“ – 3 Fragen an Prof. Dr. Sebastian Bauer

Viele Menschen hören den Begriff ‚Sarkom‘ zum ersten Mal bei der eigenen Diagnose. Dabei handelt es sich um seltene, teils aggressive Tumoren, die oft junge Patient*innen betreffen und aus dem Binde- und Stützgewebe entstehen. Prof. Dr. Sebastian Bauer, Leiter des Essener Sarkomzentrums und Initiator der Sarkomtour, engagiert sich seit vielen Jahren in der Versorgung Betroffener.

Viele Menschen haben noch nie von Sarkomen gehört. Woran liegt das – und warum ist mehr Aufklärung so wichtig?

„Der Begriff ‚Sarkom‘ ist vielen Menschen unbekannt, weil es sich um eine seltene Tumorerkrankung handelt. Zudem wird ‚Knochenkrebs‘ häufig mit Knochenmetastasen anderer Krebsarten verwechselt, die deutlich häufiger sind. Und: Viele Menschen, die an einem Sarkom erkranken, sind vergleichsweise jung. In diesem Alter rechnet kaum jemand mit Krebs. Gerade deshalb ist Aufklärung wichtig: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.“

Mit welchen Herausforderungen sind Betroffene konfrontiert?

„Die Herausforderungen beginnen oft schon vor der Diagnose, da Schwellungen an Armen oder Beinen zunächst für harmlose Verletzungen gehalten werden. Nach der Diagnose ist es wichtig, schnell ein erfahrenes Sarkomzentrum zu finden und die passende Therapie zu beginnen. Im Alltag unterscheiden sich die Belastungen stark: Manche Betroffene benötigen über Monate eine intensive Chemotherapie. Andere Sarkome können dagegen operativ geheilt werden, sodass eine schnelle Rückkehr ins normale Leben möglich ist.“

Welche Fortschritte gab es in der Behandlung – und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

„In den vergangenen Jahrzehnten haben Kombinationstherapien die Heilungschancen vieler Sarkome verbessert. Eine hochdifferenzierte Diagnostik und molekulare Methoden haben zudem bei einzelnen Subgruppen von Sarkomen durch moderne Therapien, wie z.B. zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien, die Behandlung verbessert. Das erfordert Spezialisierung. Die Zentralisierung durch die Zertifizierung vor einigen Jahren ist dabei eine echte Erfolgsgeschichte. Hier brauchen wir allerdings weiterhin strukturelle Unterstützung von Politik und Krankenkassen, damit die Sarkomzentren der ständig wachsenden Zahl der Patient*innen gerecht werden können.“

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