„Akzeptanz heißt nicht aufgeben“ – nach der Zungenkrebs-OP zurück ins Leben

Als Julia Kiener, erfolgreiche Gründerin, an Zungenkrebs erkrankt, verschieben sich von einem Tag auf den anderen ihre Prioritäten: weg von Pitches und Teamführung, hin zu Klinik, Behandlung und der Bewältigung einer tiefen persönlichen und beruflichen Krise. Hier schreibt sie anlässlich des Awareness-Monats für Kopf-Hals-Mundkrebs über ihren Umgang mit diesem unfreiwilligen Neustart. 

Mit 32 Jahren, im Dezember 2023, bekam ich die Diagnose Zungenkrebs. Zungenkrebs ist in meinem Alter, insbesondere für eine sportliche Person, die weder raucht noch viel Alkohol konsumiert, selten. So selten, dass zwei Ärzte die Situation verkannt und mich mit einer vermeintlichen Verkapselung und dem Tipp, doch etwas Kamillentee zu trinken, wieder nach Hause geschickt haben. Spoiler: Der hilft in diesem Fall nicht. 

Credit: Markus Lücke

12 Stunden OP und der Weg zurück 

Als die finale Diagnose feststand, wurde in einer zwölfstündigen OP ein Drittel meiner Zunge entfernt und durch ein Oberarm-Transplantat wieder aufgebaut. Außerdem wurde eine sogenannte totale Neck-Dissection durchgeführt. Das heißt, sämtliche Lymphknoten an meinem Hals wurden vorsorglich entfernt. 

Nach der OP musste ich mir das Sprechen, Schlucken, Essen und Trinken mühsam zurückerkämpfen. Besonders ironisch fand ich, dass ich zu der Zeit Inhaberin einer Kommunikationsagentur war und somit täglich sprechen musste. Meine Sprache war mein Arbeitsmittel und immer meine schärfste Waffe, wenn man so will. Klassischer Fall von „kannst du dir nicht ausdenken …“ 

Leben mit sichtbaren und unsichtbaren Folgen 

Heute sieht man von all dem auf den ersten Blick nicht mehr so viel außer der Narben am Hals und am Arm. Was nicht bedeutet, dass ich nicht jeden Tag spüre, dass etwas anders ist. Meine Zungenspitze und Teile meiner Zunge sind bis heute taub. Die Bestrahlung hat meine Kiefermuskulatur so verhärtet, dass ich fast jeden Tag Kopfschmerzen habe. Ich gehe zweimal die Woche zur Physiotherapie und Lymphdrainage. 

Was mir in einer Phase, in der mir der Heilungsprozess zu lange gedauert hat, wirklich geholfen hat, war ein Satz meiner Psychoonkologin. Sie sagte zu mir: „Akzeptanz heißt nicht aufgeben. Es heißt nur, diesen Moment so anzunehmen, wie er gerade ist.“ Und das würde ich dir gern mit auf den Weg geben: Den Moment annehmen und gnädiger mit sich sein, kann Hand in Hand damit gehen, daran zu arbeiten, dass wieder mehr und mehr Normalität einkehrt. Das ist kein Widerspruch, sondern Gleichzeitigkeit. Und nimmt enorm viel Stress und Druck heraus.  

Ich bin in diesem Jahr übrigens zum ersten Mal auf der YES!CON und freue mich jetzt schon auf den Austausch und die neuen Verbindungen.  

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